Programm Wintersemester 1999/2000
1.12.1999 Stand und Perspektiven der
Solartechnik
Dr. Thomas Schott, Zentrum für Sonnenenergie- und
Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, Stuttgart
Die Solartechniken zur Gewinnung umweltfreundlicher Energie haben in den letzten Jahren große technische Fortschritte gemacht und sind bereits bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken. Einem endgültigen Durchbruch im energiewirtschaftlichen Maßstab stehen aber vor allem ökonomische Hemmnisse entgegen. Damit die Solartechniken im 21. Jahrhundert die von vielen gewünschte nachhaltige Energieversorgung eröffnen, müssen noch erhebliche Anstrengungen unternommen werden. Worin die Möglichkeiten und Potentiale beruhen, wird insbesondere am Beispiel der stromerzeugenden Techniken Photovoltaik, Solarthermische Kraftwerke und Biotreibstoffe dargestellt. Die Integrierbarkeit dieser Technologien in ein zukünftiges Energieszenario auf der Basis erneuerbarer Energien wird analysiert.
8.12.1999 Biodiversität und
Artensterben
Prof. Dr. Jürke Grau, Institut für Systematische Botanik,
Universität München
Biodiversität ist ein Charakteristikum des Lebens. Ausgehend von der Entwicklung der einfachsten Lebensformen hat sich die Vielfalt der Lebensformen bis zum heutigen Tag immer weiter entfaltet. Schon in vorhistorischer Vergangenheit wurde diese Entwicklung allerdings durch unterschiedlichste Einwirkungen mehrmals unterbrochen. Der dramatischste Eingriff in diese Entwicklung stellte sicher die extraterrestrisch verursachte Katastrophe dar, die u. a. zum Aussterben der Saurier geführt hat. Solche Veränderungen haben aber auch immer wieder zur Bildung von neuen Lebensräumen geführt und damit der Evolution neue Möglichkeiten geben. Ist das heute vom Menschen verursachte Artensterben eine weitere Etappe in dieser gleichzeitig zu neuen Entwicklungen führenden Reihe? Wie sieht die Situation heute aus, welches sind die Konsequenzen für unsere Zukunft und was kann getan werden?
Link: Institut für Systematische Botanik, Universität München
15.12.1999 Ökostrom: Top oder Flop?
Ralf Bischof, Naturstrom AG, Düsseldorf
Der europäische Stromsektor ist durch hohe Überkapazitäten und minimales Marktwachstum gekennzeichnet. Die Liberalisierung des Strommarkts führt deshalb zu einem Verdrängungs- und Dumpingwettbewerb, der den Ausbau der erneuerbaren Energien und der umweltfreundlichen Kraftwärmekopplung prinzipiell gefährdet. Der Vortrag wird darlegen, welche Instrumente geeignet sind, ihren Ausbau dennoch zu gewährleisten und welche Chancen die Direktvermarktung von Ökostromangeboten an Endkunden hat. Dabei wird insbesondere die Rolle der Stadtwerke und unabhängigen Erzeuger berücksichtigt. Ferner wird generell auf die Struktur und die gesetzlichen Grundlagen des liberalisierten Strommarkts eingegangen. Stichworte dazu sind: Energiewirtschaftsgesetz, EU-Binnenmarkt, Netzzugang, Durchleitung, Verbändevereinbarung und Regulierungsbehörde.
Link: Naturstrom AG, Düsseldorf: http://www.naturstrom.de
12.1.2000 Technikfolgenabschätzung und Interdisziplinarität - Rhetorik und
Wirklichkeit zweier Formeln in der Umweltdebatte
Dipl.-Ing. Dr. phil. Stefan Böschen, Chemie-Ingenieur und
Soziologe, derzeit tätig am Projekt "Möglichkeiten und Grenzen der
Wissenschaftsfolgenabschätzung" im Sonderforschungsbereich "Reflexive
Modernisierung", Universität Augsburg
Zu Beginn der 70er Jahre geriet die Welt in den Sog eines neuen allgemeinen Diskurses: die "Umwelt" wurde Gegenstand gesellschaftlicher Debatten und Zielpunkt politischen Handelns. Technisch- wissenschaftlicher Fortschritt, der bisher nur unter der Perspektive der Wohlstandsmehrung betrachtet wurde, bekam durch die Nebenfolgen ein neues Gesicht. Damit einher ging der Ruf nach Alternativen zum klassischen Wissenschaftsbetrieb und mit Interdisziplinarität wurde die Zauberformel gefunden, die Erlösung versprach. Neue Instrumente, wie die Technikfolgenabschätzung, gaben Stoff für rege Debatten und für eine Zeit schien es, als könne man die wissenschafts-induzierten Probleme wiederum mit wissenschaftlichen Mitteln lösen. In der Zwischenzeit hat sich eine gewisse Ernüchterung breit gemacht und Katerstimmung beherrscht die Szene. Diese Situation legt es nahe, diese beiden Instrumente einer kritischen Analyse zu unterziehen und Strategien für einen reflektierten Einsatz derselben zu entwickeln.
19.1.2000 Tierrechte als Teil des Rechts - Tierschutz
ins Grundgesetz?
Dr. Eisenhart v. Loeper, Rechtsanwalt, Bundesverband der
Tierversuchsgegner, Menschen für Tierrechte, Nagold
Sind Tierrechte eine gefährliche Utopie oder ein überfälliger Entwicklungsschritt des Rechts? Evolution und Kultur des Menschen zeigen bis heute, wie zwiespältig wir dem Tier begegnen und wie notwendig hilfreiche Strukturen sind. Zentral geht es um politische, rechtliche und gesellschaftliche Herausforderungen: Wer verweigert bisher warum die Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz? Was würde daraus folgen? Gelingt die Abschaffung der quälerischen Massentierhaltung durch das Hennen-Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 6. Juli 1999? Was heißt "Bestandsschutz" für tierquälerische Altanlagen? Ferner ist zu fragen: Verträgt sich das Klonen von Tieren mit deren Stellung als Mitgeschöpf? Und vor allem: Wie können wir glaubwürdig und praxisnah Menschen- und Tierrechte in Einklang und zur Geltung bringen?
Link: Bundesverband der Tierversuchsgegner: http://www.tierrechte.de/
26.1.2000 Desertifikation und Landverlust durch Wüstenbildung
Jürgen Gliese, M.A. Koordinator der Arbeitsgruppe
Desertifikation, Forum Umwelt & Entwicklung, Frankfurt
Die rückläufige Produktivität von Boden hat weltweit Ausmaße erreicht, die die internationale Staatengemeinschaft auf der Rio-Konferenz 1992 veranlaßte, eine internationale Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation einzurichten. Ca. 1 Milliarde Menschen leben in gefährdeten Regionen; etwa ein Drittel aller Landflächen des Globus sind betroffenen, vorwiegend in Afrika, Zentral- und Südasien sowie im südlichen Lateinamerika, aber auch in Nordamerika, Australien und dem nördlichen Mittelmeerraum. Der jährliche Verlust von 5-7 Millionen ha Anbaufläche (ca 1/5 der Fläche der BRD) weltweit, hat schwerwiegende volkswirtschaftliche, soziale und ökologische Folgen. Nicht zuletzt die letzteren belegen die ursächliche Verflechtung der klimatisch nicht betroffenenen Zonen in den Ursachen-Wirkungs-Mechanismus von Desertifikation und die berechtigte Charakterisierung von Desertifikation als globalem Problem.
9.2.2000 Netz 21 - Mit neuer Strategie ins nächste Jahrtausend
Eckart Fricke, Leiter Netzentwicklung und Strategie, DB Netz AG,
Frankfurt
Die Investitonsstrategie Netz 21 wird die Netzstrukturen optimieren, in dem
Die Strategie stützt sich nicht auf die Verkehrsprognose des Bundesverkehrswegeplans (BVWP 92), in der die Entwicklung der Verkehrsströme zu optimistisch vorhergesagt wurde. Die heutigen Vorhersagen liegen im Personenverkehr etwa 12 % und im Güterverkehr sogar 50 % unter den Prognosen, auf denen der BVWP 92 basiert. Unter diesen geänderten Rahmenbedingungen und der Maßgabe, daß die einsetzbaren Investitionsmittel begrenzt sind, haben diejenigen Investitionsvorhaben in der Strategie Netz 21 Priorität, mit denen in Bezug auf die Investitionskosten möglichst viel Mehrverkehr auf die Schiene gebracht wird. Zentrale Frage zur Ermittlung dieser Investitionsvorhaben: Durch welches Maßnahmenbündel (Netzausbau und -nutzung) lässt sich langfristig das beste Konzernergebnis erzielen? Mit dem Projekt "Integrierte Netzoptimierung" PIN erfolgte eine bewertete Simulation zur Ermittlung der Maßnahmen mit hoher Netzwirkung. Für die vorgeschlagenen Projekte werden Ertrag/Invest-Kennzahlen als Maß für die Wirtschaftlichkeit errechnet. Das Ergebnis ist eindeutig: Hohe Netzwirkungen lassen sich am besten mit kleinen Investitionsmaßnahmen an strategisch wichtigen Stellen im Netz und der Optimierung bestehender Strecken erzielen.
16.2.2000 Das Wachstum der Weltbevölkerung - Ursachen
und Ansätze zur Eindämmung
Prof. Dr. Josef Schmid,
Lehrstuhl für Bevölkerungswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität
Bamberg
Die Weltbevölkerung hat vor kurzem die sechste Milliarde erreicht und dies auf dem Wege der Beschleunigung der Zuwächse. Stagnationserscheinungen sind nicht vor Mitte des angebrochenen Jahrhunderts zu erwarten und ein Volumen von ungefähr 10 Milliarden Menschen wird mit der vorhandenen Biosphäre auskommen müssen. Charakteristisch für dieses Wachstum sind die demographischen Ungleichgewichte, die es hervorbringt. Von Europa aus gesehen leben wir nach wie vor in einer zweigeteilten Welt, in einer Nord-Süd-Diskrepanz. Sie zeigt sich klar im jeweiligen Reproduktionsmodus und den ihm zugeordneten ökonomischen und ökologischen Indikatoren. Die Spreizung zwischen Geburten- und Sterbewerten bedeutet Geborenenüberschüsse von derzeit 80 Millionen jährlich und sie fallen fast zur Gänze in den Entwicklungskontinenten an. Ihre Rückführung auf ein stationäres Wachstumsniveau erfordert eine kulturell angepasste Strategie, die Senkung der Kindersterblichkeit, Weckung des Interesses für Familienplanung im Zuge einer behutsamen Modernisierung der Arbeitsformen, die Abkehr von niedrigster Subsistenzwirtschaft und die Anhebung des Bildungsgrades der geburtenstarken Jahrgänge vorsieht.