Programm Wintersemester 1998/1999
2.12.1998 Aus ist nicht gleich aus - Stopp den heimlichen
Stromfressern
Dr. Birgit Siemen; Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland, Bonn
Eine Recherche des BUND und eine unabhängig davon veröffentlichte Studie des Umweltbundesamtes haben ergeben, daß nur für die Leerlaufstromverluste (Standby-Schaltung) in deutschen Haushalten und Büros ca. 20 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht werden. Dabei sind es weit mehr Geräte als nur der Fernseher. Überall im Haushalt lauern Elektrogeräte, die auch dann Energie verbrauchen, wenn sie ihre eigentliche Funktion gar nicht erfüllen. Mehr als ein Zehntel des gesamten Stromverbrauchs in Haushalten und Büros geht auf das Konto der Standby-Schaltungen. Der BUND hat im Sommer dieses Jahres gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium hierzu eine Aufklärungskampagne gestartet. In meinem Vortrag möchte ich auf die Studien, die größten Stromfresser und Lösungsmöglichkeiten eingehen.
BUND, Bund für Umwelt- und Naturschutz: www.bund.net
9.12.1998 Crashtest Mobilität - Strategien für
den Verkehr von Morgen
Prof. Dr. Frederic Vester, Leiter der Studiengruppe für
Biologie und Umwelt, München
Viele Umweltprobleme, mit denen wir heute zu kämpfen haben, bedeuten Risiken, die sich durch ihre Vernetzung noch zunehmend gegenseitig verstärken und inzwischen die Lebensgrundlagen der gesamten Menschheit bedrohen. Das Kraftfahrzeug hat sich als Mitverursacher vieler dieser Probleme erwiesen. Da wir aber weiter mobil sein wollen und zum guten Teil auch müssen, sind unsere Verkehrspolitik wie auch die Konzeption unserer Fahrzeuge von Grund auf neu zu überdenken. Aus unseren kybernetischen Untersuchungen ergeben sich zum Teil ganz neue Lösungsvorschläge für Form und Größe, Antriebsart und Sicherheit. Dringend erforderlich sind jedoch auch Überlegungen zur Lösung unserer Verkehrsprobleme ganz allgemein, wobei die Frage lautet, wie wir einen Teil des Verkehrs gar nicht erst entstehen lassen.
Prof. Dr. Frederic Vester, München: www.frederic-vester.de
16.12.1998 Der Stirlingmotor - Motor des 21. Jahrhunderts
Dipl.-Ing.(FH) Kuno Kübler, Leiter des Arbeitskreises
Stirlingmotor, München
Den Stirling-Motoren wird eine große Zukunft vorhergesagt. Diese Wärmekraftmaschinen sind im Gegensatz zu Otto- und Dieselmotoren nicht auf einen bestimmten Brennstoff festgelegt, sondern können von außen zugeführte Wärmeenergie aus beliebigen Quellen in mechanische Energie umwandeln. Der Stirlingprozeß ist darüberhinaus auch zur Kälteerzeugung und für den Wärmepumpenbetrieb geeignet. Da auch Wärme aus Sonnenenergie und sogar Niedertemperatur abwärmegenutzt und veredelt werden kann, findet dieser konstruktiv schwer zu beherrschende Motor in den letzten Jahren wieder zunehmend Beachtung. Firmen in der ganzen Welt arbeiten an technischen Verbesserungen und deren Umsetzung für die Serienproduktion. In unseren Breiten ist die Anwendung als Blockheizkraftwerk interessant, besonders wenn Biomasse (Pellets, Holzhackschnitzel) genutzt werden kann. Die aktuellen Münchener Pilotprojekte (gasbefeuert) werden vorgestellt. Der Vortrag gibt einen Überblick über das Funktionsprinzip, einen Abriß der Geschichte, die wichtigsten Grundlagen und eine Übersicht über den Stand der Entwicklung. An Modellen wird die Funktionsweise anschaulich gezeigt und es wird demonstriert, daß eine Handvoll Wärme schon ausreicht, um einen Stirlingmotor anzutreiben.
13.01.1999 Brennstoffzellensysteme für elektrische
Straßenfahrzeuge
Prof. Dr. Ulrich Stimming, Physik-Departement, TU München
Der Anstieg des weltweiten Straßenverkehrs bringt die Notwendigkeit mit sich, die damit verbundenen Emissionen zu begrenzen und erfordert die Entwicklung alternativer Antriebssysteme für Fahrzeuge. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren werden mit Antriebssystemen, die durch Batterien und Brennstoffzellen gespeist werden in Bezug auf Energie-Effizienz, spezifische Emission, Reichweiten und Kosten verglichen. Brennstoffzellen, die Elektrizität im Fahrzeug erzeugen, scheinen hierbei besonders vielversprechend. Die Hauptkomponenten eines Antriebssystems mit Methanol als Energieträger und einer "Proton Exchange Membrane Fuel Cell (PEMFC)" werden beschrieben. Außerdem werden weitere mögliche Konfigurationen vorgestellt, sowie wichtige Aspekte der Brennstoffzellenfunktion, Brennstoffzellen-Stack-Entwicklung mit seinen Auswirkungen für die Entwicklung von PEMFC-Komponenten diskutiert.
20.1.1999 Elektronikschrottrecycling
Helmut Schmidt, Kommunalreferat, Amt für Abfallwirtschaft,
Landeshauptstadt München
Unter dem Begriff Elektronikschrott werden eine breite Palette von Altgeräten aus dem Elektro- und Elektronikbereich zusammengefaßt. Zur praktischen Unterscheidung werden die Geräte in Weiße Ware, Braune Ware und Investitionsgüter unterteilt. Nachdem immer noch nicht abzusehen ist, wann die Elektronikschrottverordnung in Kraft treten wird obwohl ein erster Referentenentwurf bereits im Jahr 1991 vorgelegt worden ist wird sich die Verwertung von elektronischen und elektrischen Anlagen an den derzeitigen Marktgegebenheiten orientieren. Diese sind durch Unsicherheiten über den tatsächlich erfaßbaren Mengenstrom, die Finanzierung der Verwertung und die technologischen Recyclingmöglichkeiten gekennzeichnet. Gleichwohl wurden zwischenzeitlich eine Reihe von interessanten Verfahren zum Recycling von Elektronikschrott entwickelt. Die Vorlesung wird einen überblick über den derzeitigen Stand der Technik, die Aktivitäten der Landeshauptstadt München und den Stand der rechtlichen Entwicklung geben.
27.1.1999 Lärm - ein unterschätztes Umweltproblem
Dr. Alois Heiß, Bayerisches Staatsministerium für
Landesentwicklung und Umweltfragen, München
Lärm als unerwünschter Schall ist in unserer heutigen Gesellschaft die von der Bevölkerung subjektiv am häufigsten wahrgenommene Umweltbelastung. So fühlen sich allein schon durch den Straßenverkehrslärm etwa 70 Prozent der Bevölkerung beeinträchtigt. Der Lärm wirkt sich über Streßreaktionen negativ auf das Wohlbefinden und somit auch auf die Gesundheit der Menschen aus. Die zur Vermeidung und Reduzierung des Umweltlärms nach bekannten Verfahren vorhandenen gesetzlichen Regelungen konnten den Anstieg der Lärmbelastung zwar nicht immer verhindern aber zumindest verlangsamen. Die Gesetze schöpfen jedoch aus Kostengründen den technisch möglichen Rahmen nicht immer aus. Der Schutz vor Umweltlärm hat bisher in der Umweltpolitik eine unverhältnismäßig geringe Rolle gespielt. Die Europäische Union will dem jetzt entgegenwirken.
3.2.1999 Homöopathie - Medizin der Zukunft oder Scharlatanerie
aus längst vergangener Zeit?
Dr. med. Steffen Rabe, Arzt für Kinderheilkunde und
Homöopathie, München
"Wie halten Sie es mit der Homöopathie?"
Selten war die Antwort auf diese Frage zwischen einem großen Teil der
Bevölkerung und der Mehrzahl der schulmedizinisch arbeitenden Ärzten
so kontrovers wie in den letzten Jahren. Auf Seiten der Patienten steigen Interesse
und Nachfrage an dieser Therapieform, die sich massivster Kritik ausgesetzt
sieht.
Was ist Homöopathie, wo liegen die Anwendungsmöglichkeiten, Chancen
und Grenzen dieser Medizin?
Gibt es gesicherte Studien zur Wirksamkeit?
Wie erklärt sich dieser jahrhundertealte heftige Streit um ein paar Streuzuckerkügelchen
oder Tropfen?
Link: Dr. Steffen Rabe
10.2.1999 Gefahren eines Multilateralen Investitionsabkommens
für eine zukunftsfähige Entwicklung
Jens Martens, Vorstandsmitglied von Weltwirtschaft, Ökologie
und Entwicklung e.V. (WEED), Bonn
Renate Börger, BR-Journalistin, Vorstand der Schumacher-Gesellschaft und
der Koordinierungsgruppe MAI, München
Die Verhandlungen über ein Multilaterales Investitionsabkommen (MAI) in
der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
haben in den vergangenen zwei Jahren für viel Wirbel gesorgt.
Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, Kulturschaffende, Verbraucherverbände
und Gewerkschaften warnten vor den katastrophalen ökologischen und sozialen
aber auch ökonomischen Konsequenzen einer unkontrollierten Öffnung
der Märkte für transnationale Investoren vor allem auch in den Entwicklungsländern.
Die weltweiten Proteste, aber auch die Konflikte zwischen der EU und den USA
selbst, führten im Herbst 1998 zum Abbruch der Verhandlungen in der OECD.
Aber die Welthandelsorganisation (WTO) sitzt bereits in den Startlöchern,
um im Rahmen der "Jahrtausendrunde" die Liberalisierung der Investitionen voranzutreiben
- mit den gleichen ökologischen, sozialen und ökonomischen Risiken.
Zur Sprache kommen aber auch die Chancen, die ein internationales Investitionsabkommen
birgt, wenn es die Investorenpflicht in den Mittelpunkt stellt und mit ökologischen,
entwicklungspolitischen und sozialen Kriterien verknüpft wird.
Link: WEED, Bonn
17.2.99 Strategien zur Bewältigung des wachsenden
Verkehrsaufkommens
Ergebnisse einer Technikfolgenabschätzung im Auftrag des Deutschen Bundestages
Prof. Dr. Günter Halbritter, Forschungszentrum Karlsruhe und
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), Karlsruhe
Der Ausschuß für Forschung, Technologie und Technikfolgenabschätzung
des Deutschen Bundestages beauftragte das Büro für Technikfolgenabschätzung
beim Deutschen Bundestag (TAB) mit der Durchführung eines TA-Projektes
zur Wirksamkeit und zu den Realisierungsbedingungen und Folgen von Maßnahmen
und Techniken zur Entlastung des Verkehrsnetzes und zur Verlagerung von Straßenverkehr
auf umweltfreundlichere Verkehrsträger. Ausgangspunkt der Untersuchungen
war die Erfahrung, daß anspruchsvolle verkehrspolitische Ziele nicht durch
Einzelmaßnahmen erreicht werden können, sondern nur durch möglichst
abgestimmte Maßnahmenbündel, sogenannte Optionen. Es wurden daher
Optionen entwickelt, die Maßnahmen enthalten, die in der verkehrspolitischen
Diskussion eine besondere Rolle spielen und die a priori einen wesentlichen
Beitrag zur Erreichung der genannten Ziele versprechen. Von besonderer Bedeutung
sind die mit der Einführung moderner Informations - und Kommunikationstechniken
(IuK-Techniken) zur Verfügung stehenden neuen Organisationsmöglichkeiten
des Verkehrs. Es wurden daher Möglichkeiten untersucht, diese Techniken
organisatorisch so zu gestalten, daß sie den Zielen des TA-Projektes,
der Entlastung des Verkehrsnetzes und der Verlagerung von Straßenverkehr
auf umweltfreundlichere Verkehrsträger, dienen.
Im Mittelpunkt einer ersten Option stehen die bereits konzipierten Einsatzmöglichkeiten
der genannten neuen IuK-Techniken im Verkehrsbereich. Auswertungen der bereits
gewonnenen Erfahrungen ausgewählter Pilotprojekte in den Städten Frankfurt,
München und Stuttgart zeigen nur begrenzte verkehrliche Wirkungen in Bezug
auf die untersuchten Ziele. Größere Wirkungen werden für die
Optionen erhalten, bei denen darüber hinaus preisliche Instrumente zum
Einsatz kommen. Modellrechnungen zeigen den erheblichen Einfluß dieser
Maßnahmen für die privaten Haushalte, insbesondere der unteren Einkommensgruppen.
Der Wirtschaftsverkehr dagegen besitzt eine sehr geringe Sensitivität gegenüber
preislichen Maßnahmen. Um für die betroffenen Verkehrsteilnehmer
Mobilitätsverluste insbesondere bei notwendigen Verkehren zu vermeiden,
sind Kompensationsmaßnahmen zu ergreifen. Die bedeutendste ist der Ausbau
eines attraktiven öffentlichen Verkehrssystems (ÖV). Fallbeispiele
zeigen, daß der ÖV so organisiert werden kann, daß er nicht
nur erhebliche Kapazitäten bereitstellen, sondern diese auch zu sehr attraktiven
Bedingungen zur Verfügung stellen kann.